Kuba 2017

*22.03.2017 - 06.04.2017*

Ende März war es wieder soweit und eine Gruppe von vierzehn Wintergeplagten machte sich auf in den kleinen Inselstaat in der Karibik.
Nach rund elfstündigem Flug erreicht man die tropische Insel, die zwar 1250 Kilometer von Ost nach West reicht, dafür aber nur 31 Kilometer von Nord nach Süden schmal ist.
Unser Urlaubsziel war das touristische Varadero, einem Sondergebiet an der Nordküste Kubas auf der Halbinsel Hicacos, gut 120 Kilometer östlich von Havanna und nur rund 165 Kilometer von Florida entfernt.
Bereits im 19. Jahrhundert wussten die kubanischen Haziendabesitzer den Reiz der Halbinsel mit seinem etwa 20 Kilometer langen weißen und feinsandigen Strand Varaderos zu nutzen und ließen ihre Sommervillen dort bauen, wodurch in den kommenden Jahrzehnten die touristische Ausprägung der Umgebung immer stärker wurde. Seit der Öffnung Kubas für den internationalen Tourismus Anfang der 1990er Jahre entstanden hier 4- und 5- Sterne Hotels, die durchweg All Inclusive – Angebote vorsehen. Die Infrastruktur in diesem Gebiet wird den anspruchsvollen Touristen auch vollkommen gerecht; die Straßen sind neu gebaut, die touristische Buslinie verkehrt in regelmäßigen Abständen und bringt einen zu den beliebtesten Orten und den besten Souvenirmärkten und die angebotenen Ausflüge sind auch für den erfahrenen Weltreisenden ein einzigartiges Erlebnis.
Der Besuch von Kubas Hauptstadt Havanna ist natürlich ein Muss. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren tüchtig an sich gearbeitet und viel investiert, wodurch die Altstadt im neuen Glanz erstrahlt, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren. Das Kapitol, im Stil des Klassizismus in Anlehnung an seinen Namensvetter in der Hauptstadt der USA, aber für die Kubaner wichtig: um zwei cm höher gebaut, wird derzeit restauriert und wird ab 2018 wieder Sitz des Parlamentes werden. Zwischen den großen Straßen kann man in die offenen Hinterhöfe blicken, die vom einfachen Leben der Bevölkerung zeugen. Dennoch scheinen die Kubaner ein weltoffenes, gemütliches, fröhliches und ausgesprochen freundliches Volk zu sein, die immer ein Lächeln auf den Lippen und vor allem die Männer immer einen flotten Spruch den Damen gegenüber parat haben.
Gerade in Havannas Straßen kommen dann auch die alten Automodelle, die wohl jeder mit Kuba verbindet, besonders zu Geltung. Unter der strahlenden Sonne mit rund 35 Grad im Winter, in den Tropen wird es die Trockenzeit genannt, glänzen die Fahrzeuge auf dem Malecón, der Uferpromenade. Das Land ist ein Mekka für jeden Liebhaber alter amerikanischer Autos vom Cadillac über Ford bis zum bei uns seltenen DeSoto. Allerdings würden sie hierzulande nicht unter Oldtimer fallen, da zwar die Fahrzeuggestelle noch von der Vergangenheit zeugen, aber die Ersatzteile für Motor oder Beleuchtung nicht mehr original sind und die Menschen sich mit dem behelfen, was sie selbst finden.
Und an dieser Stelle kommt doch die Frage auf, wie Kubas Bevölkerung über den Sozialismus denkt. Denn auch als Reisender findet man an jeder größeren Straßenecke Bilder der marxistischen Revolutionäre Che Guevara und Fidel Castro, oder aber auch Dankesbekundungen. Jeder, mit dem man spricht, hat ein Buch Castros gelesen und vor allem die älteren Generationen loben das Leben im, wenn auch kleinen, Wohlstand mit Sicherheiten der Grundversorgung, der kostenlosen Bildung, des gut ausgebauten und kostenfreien Gesundheitssystems und der auch geringen Kriminalitätsrate. Man merkt aber auch, dass vor allem die jüngeren Generationen die zaghaften Öffnungen des herrschenden Raúl Castros nutzen und sich den westlichen Lebensstil zu Eigen machen wollen. Seit zwei Jahren gibt es Internet im Land, wenn auch der Empfang schlecht und vor allem teuer ist. Die Bevölkerung gibt sich gespannt, in welche Richtung das Land sich entwickeln wird, wenn Castros Amtszeit 2018 enden wird. Auch als Tourist merkt man an der einen oder anderen Stelle die Auswirkungen des Wirtschaftssystems, wenn man beispielsweise Bananen oder Orangensaft im Hotel gegen seine Schuhe oder etwas Modeschmuck eintauscht. Aber hungern muss im Land nun wirklich keiner, denn selbst arme oder kinderreiche Menschen erhalten Lebensmittelkarten für die Grundversorgung.
Neben der politischen Situation, die immer Grund zur Diskussion bietet, eröffnet das Land unendlich viele Möglichkeiten. Mit dem Mietwagen kann man vor allem in die weniger touristisch geprägten Landstriche fahren, die zwar nicht so gut ausgebaut sind, aber vom ursprünglichen Leben mehr bieten. So wird man beispielsweise zu einem guten Schluck Rum mit musikalischer Unterhaltung wie dem Buena Vista Social Club von den Bewohnern eingeladen und man tanzt ausgelassen und fröhlich miteinander.
Ein Erlebnis war auch der Besuch einer Zuckerrohrplantage mit angeschlossener Zuckerfabrik, die uns in die Zeit der Sklaverei zurückversetzte, aber auch in die Anfänge der Dampflokomotiven, denn mit solch einer ging es mit lautem Getöse  über die Felder und Dörfer, aber auch die Fahrt mit einem Schnellboot durch die Mangroven hin zu einer Krokodilfarm, auf der einige Mutige sogar eines der Tiere auf dem Arm halten konnten.
Nicht zu vergessen unser Ausflug in den tropischen Regenwald, bei dem es über Stock und Stein (frühere Korallenfelsen mit tiefen Höhlen) ging und in einer Fledermaushöhle endete und unsere doch eher laufschwachen Reiseteilnehmer vor die Herausforderung ihres Lebens stellte, die sie mit sichtlichem Stolz bravurös meisterten.
Vor allem kann man aber über das blitzblaue Meer sich freuen, welches angenehme Temperaturen aufwies und bei seichter See zum Schnorcheln schon direkt vor dem Hotel einlud und bei einsetzender Flut zum Bad in den Wellen.
Kubas politische und gesellschaftliche Entwicklung bleibt abzuwarten, aber bis dahin ist das Land aber immer eine Reise wert, wenn einer eine Reiste tut.

Ulrike Gobes

 

 

 

 

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